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Sylter Vorgeschichte

Sylt InsideBis vor etwa 12 000 Jahren bedeckte Eis große Teile Nordeuropas. Das spätere Abschmelzen hinterließ vom Eis mitgeführtes Material, so genannte erratische Blöcke, und das markante Rote Kliff an der Westküste der Insel zwischen Wenningstedt und Kampen, das nun seit Jahrhunderten von Meer und Erosion langsam abgetragen wird.


Die Insel blieb bis etwa zu Beginn der mittleren Steinzeit durch bäuerliche Siedler unberührt. Von der jägerischen Urbevölkerung wurden keine Relikte gefunden. Das Erdgrab von Tinnum, aus der Gruppe der Thinghügel, lässt erstmals Bezüge zu den späteren Hünenbetten erkennen. Statt Findlingen umgibt hier erst einmal ein rechteckiger Steinrahmen eine Körperbestattung im Holzsarg. Auf Sylt sind 47 Megalithanlagen in Langbetten und Rundhügeln nachgewiesen, die aber weitgehend ausgegangen sind. Während der Urdolmen fehlt, sind ganglose, erweitere Dolmen nördlich von Kampen, westlich von Archsum (Nössemarsch) und östlich von Keitum (der versetzte Harhoog) erhalten.

Auch Polygonaldolmen in Rundhügeln und was selten ist in Langbetten sind nachgewiesen. Erhalten ist eines nördlich des Bahnhofs von Kampen. Zerstört wurde ein Bett mit drei Polygonaldolmen in der Nähe des Leuchtturms und eines das sich im Strumphoog befand. Teilweise wurden bronzezeitliche Nachbestattungen und eisenzeitliche Urnengräber in den Hügeln gefunden. Unter den lokalen Ganggräbern ragen der Denghoog von Wenningstedt und der Merelmerskhoog bei Archsum heraus. Das Grab im Kolkingehoog wurde bei der Sturmflut von 1825 zerstört.

Andere am Kliff gelegene Anlagen hatte ein ähnliches Schicksal oder wurden verlegt. Die neolithischen Siedlungen, insbesondere auf der Archsumer Geest nachgewiesen, wurden bei der Vermarschung des Gebietes überlagert. Die Gruppe der kleinen Grabhügel, die der Schnurkeramik zuzuordnen sind, stellen die letzte Form der steinzeitlichen Monumente dar.


In der Bronzezeit, die im Norden spät einsetzte, entstehen die großen reich ausgestatteten Grabhügel, die meist 5 m, u.U. aber auch 7 m hoch, in fünf großen Gruppen die Insel zu beherrschen scheinen. Viele dieser Denkmäler wurden mittlerweile abgetragen und damit zerstört oder durch Bebauung oder Landwirtschaft in den vergangenen Jahrhunderten eingeebnet; einer der sehr seltenen noch erhaltenen bronzezeitlicher Langhügel liegt nördlich von Kampen zwischen den runden Krockhoogen.

Die Spuren der Eisen- und Wikingerzeit sind wesentlich unspektakulärer und bestehen aus Siedlungen mit Hausresten und einer großen Zahl von tellartigen Wohnhügeln, den Warften.